Den Pitch kennen Sie: Challenge bestehen, funded werden, 80 % der Gewinne behalten. Aber wie funktioniert das alles wirklich hinter den Kulissen? Was passiert genau, wenn Sie $200 für eine Challenge zahlen, ein simuliertes Konto handeln und dann echtes Kapital erhalten?
Dieser Artikel erklärt die Mechanik des Prop-Firm-Tradings von Grund auf – das Geschäftsmodell, den Evaluationsprozess, wie Drawdown-Regeln wirklich funktionieren und was Sie nach dem Funding erwartet. Für das größere Bild – was Prop Trading ist und woher das Funded-Modell kommt – lesen Sie am besten zuerst diesen Guide.
Wie funktionieren Prop Firms?
Das Kerngeschäftsmodell ist unkompliziert: Eine Prop Firm stellt Kapital, ein Trader bringt Können mit, und die Gewinne werden geteilt. Die Firma behält 10–30 % dessen, was erfolgreiche Trader erwirtschaften – und trägt im Gegenzug das gesamte Kapitalrisiko, wenn der Trader verliert.
Das unterscheidet sich sowohl von Hedgefonds als auch von Retail-Brokern. Hedgefonds nehmen externes Investorenkapital auf und handeln es in deren Auftrag – sie sind ihren LPs verpflichtet und unterliegen strengen regulatorischen Vorgaben. Retail-Broker führen lediglich Ihre Trades aus und verdienen an Spreads und Gebühren, egal ob Sie gewinnen oder verlieren.
Prop Firms bewegen sich genau dazwischen: Sie verwalten kein Kundengeld, und sie sind auch nicht bloß Broker. Ihr Geschäftserfolg hängt direkt davon ab, Trader zu funden, die über längere Zeit konstant Profit Splits generieren.
Prop Firms verdienen auf zwei Wegen: Evaluationsgebühren (einmalig, vorab) und Profit Splits erfolgreicher Trader (laufend). Die besten Firmen wollen Ihren Erfolg – denn Ihre Gewinne sind ihre Gewinne.
Der Evaluationsprozess, Schritt für Schritt
Bevor Sie Zugang zu Kapital erhalten, müssen Sie beweisen, dass Sie innerhalb der Regeln der Firma handeln können. Das ist die Evaluation – manchmal auch Challenge, Assessment oder Qualifikationsphase genannt.
Im klassischen zweistufigen Modell funktionieren die einzelnen Phasen so:
Phase 1 setzt ein Gewinnziel (meist 8–10 % der Kontogröße), das Sie erreichen müssen, bevor Sie das maximale Drawdown-Limit reißen – bei einer vorgeschriebenen Mindestzahl an Handelstagen. Ein einzelner Glückstreffer reicht nicht: Sie müssen Konstanz über die Zeit zeigen.
Phase 2 wiederholt den Prozess mit einem niedrigeren Gewinnziel (typischerweise 5 %), denselben Drawdown-Regeln und derselben Mindestzahl an Handelstagen. Das niedrigere Ziel ist Absicht – es prüft, ob Phase 1 Können war oder Glück.
Haben Sie beide Phasen bestanden, erhalten Sie einen Funded Account. Für eine detaillierte Vorbereitung führt die Pipster-Academy-Lektion zur Evaluationsvorbereitung Schritt für Schritt durch den strategischen Ansatz.
| Parameter | Phase 1 (typisch) | Phase 2 (typisch) |
|---|---|---|
| Gewinnziel | 8–10 % | 5 % |
| Maximaler Drawdown | 10 % | 10 % |
| Täglicher Drawdown | 4–5 % | 4–5 % |
| Mindesthandelstage | 4–10 Tage | 4–10 Tage |
Drawdown-Regeln erklärt
Drawdown-Regeln sind die mit Abstand häufigste Ursache für verlorene Funded Accounts. Die meisten Trader verstehen das Konzept in der Theorie, wenden es in der Praxis aber falsch an – besonders unter dem Druck, ein Gewinnziel zu erreichen.
Sie müssen zwei Arten von Drawdown gleichzeitig im Blick behalten:
Täglicher Drawdown ist der maximale Verlust, der an einem einzelnen Handelstag erlaubt ist – typischerweise 4–5 % des Kontostands. Reißen Sie ihn, wird das Konto geschlossen – unabhängig davon, wie Ihr Konto insgesamt dasteht. Er setzt sich jeden Tag zurück.
Maximaler (Gesamt-)Drawdown ist der größte erlaubte Rückgang, gemessen entweder an Ihrem Startguthaben oder an Ihrem Höchststand. Hier steckt der Teufel im Detail: Manche Firmen nutzen einen statischen Drawdown (nur auf das Startguthaben bezogen), andere einen Trailing Drawdown (das Limit steigt mit wachsendem Kontostand und rastet am neuen Hoch ein).
Trailing Drawdown ist deutlich schwerer zu managen. Bei einem $100.000-Konto mit 10 % Trailing Drawdown steigt Ihre Untergrenze auf $99.000, sobald Ihr Konto auf $110.000 wächst. Sie haben $10.000 gewonnen – aber Ihr Puffer ist kleiner geworden.
Nutzen Sie einen Drawdown-Rechner, um Ihre exakte Untergrenze bei jedem Kontostand zu modellieren, bevor Sie eine Position eröffnen.
Die tägliche Drawdown-Regel erwischt mehr Trader als die Gesamt-Drawdown-Regel. Sie können mit viel Luft innerhalb Ihres maximalen Verlustlimits liegen und trotzdem in einer einzigen schlechten Session das Tageslimit reißen. Haben Sie vor jedem Handelstag beide Zahlen im Kopf.
Profit Splits und Auszahlungen
Sobald Sie funded sind, erhalten Sie in jeder profitablen Handelsperiode einen Anteil der Gewinne. Die meisten Prop Firms bieten Profit Splits von 70–90 %, teils mit Skalierungsplänen, die Ihren Anteil mit wachsendem Konto erhöhen.
Die Auszahlungsfrequenz variiert je nach Firma. Übliche Modelle sind zweiwöchentliche Auszahlungen, monatliche Auszahlungen und On-Demand-Abhebungen nach einer anfänglichen Sperrfrist (oft 14–30 Tage). Zu den Zahlungswegen gehören typischerweise Banküberweisung, PayPal, Wise und zunehmend Krypto.
Skalierungspläne sollten Sie verstehen, bevor Sie sich für eine Firma entscheiden. Manche Firmen verdoppeln Ihren Funded Account, sobald Sie einen Gewinnmeilenstein erreichen – wer etwa ein $100.000-Konto auf 10 % Gewinn handelt, schaltet ein $200.000-Konto frei. So vervielfachen ernsthafte Funded Trader ihr Verdienstpotenzial.
Erst sauberes Risikomanagement macht Skalierung möglich. Wenn Sie Ihren Ansatz schärfen wollen: Die Pipster-Academy-Lektion zum Risikomanagement behandelt Positionsgrößen, Risk-per-Trade-Frameworks und den Schutz von Gewinnen auf dem Funded Account.
Was Sie handeln können – und was nicht
Die meisten Prop Firms unterstützen Forex, Aktienindizes und Rohstoffe als Hauptmärkte. Forex ist fast überall verfügbar – EUR/USD, GBP/USD, USD/JPY und andere Hauptpaare sind Standard. Indizes wie S&P 500, NASDAQ und DAX sind üblich. Gold und Rohöl sind die am häufigsten angebotenen Rohstoffe.
Lotgrößen-Beschränkungen sind verbreitet. Die meisten Firmen verlangen, dass Positionsgrößen proportional zur Kontogröße bleiben – Sie können nicht Ihr gesamtes $100.000-Konto mit einem einzigen Trade riskieren. Nutzen Sie einen Positionsgrößen-Rechner, um vor der Ausführung sicherzustellen, dass Ihre Einstiege innerhalb der Vorgaben der Firma liegen.
Auch News-Trading-Beschränkungen sind üblich. Viele Firmen verlangen, dass Sie rund um Wirtschaftsereignisse mit hoher Marktwirkung – NFP, FOMC-Entscheidungen, CPI-Veröffentlichungen – alle Positionen schließen, weil das Volatilitätsrisiko zu hoch ist. Manche Firmen werten Trades während solcher Events als Regelverstoß, selbst wenn Sie Gewinn gemacht haben. Prüfen Sie immer die konkreten Regeln Ihrer Firma.
Beim Halten über das Wochenende gibt es ebenfalls Unterschiede. Manche Firmen erlauben Wochenendpositionen, andere verlangen, dass Sie bis Freitagsschluss flat sind. Auch die Regeln zu EAs und algorithmischem Trading weichen deutlich voneinander ab – manche Firmen begrüßen automatisierte Strategien, andere beschränken oder verbieten sie.
Was das Funding kostet
Evaluationsgebühren sind die Vorabkosten für den Zugang zu Kapital. Sie zahlen einmal pro Versuch – und bei einem Fehlschlag erneut für den nächsten Anlauf (die meisten Firmen bieten vergünstigte Wiederholungen an). Bestehen Sie, wird Ihnen die Gebühr unter Umständen mit der ersten Auszahlung erstattet.
Die Gebühren variieren deutlich je nach Kontogröße:
| Kontogröße | Typische Gebührenspanne | Aufpreis Instant Funding |
|---|---|---|
| $10.000 | $50–$100 | $150–$250 |
| $25.000 | $100–$200 | $300–$500 |
| $50.000 | $200–$350 | $500–$900 |
| $100.000 | $350–$550 | $900–$1.500 |
| $200.000 | $550–$1.000 | $1.500–$2.500 |
Instant Funding – bei dem Sie die Evaluation überspringen und sofort einen Funded Account erhalten – kostet einen deutlichen Aufpreis. Im Gegenzug gilt typischerweise ein niedrigerer Profit Split (50–75 %), bis Sie bestimmte Meilensteine erreichen.
Woran Trader in Evaluationen typischerweise scheitern
Die Durchfallquote bei Prop-Firm-Evaluationen ist hoch – die meisten Schätzungen liegen bei 80–90 % der Versuche. Die Gründe sind fast immer dieselben:
- Over-Leveraging: Positionen, die relativ zum Konto zu groß sind. Ein schlechter Trade sprengt das Tageslimit, eine schlechte Woche beendet die gesamte Challenge.
- Ignorieren des täglichen Drawdowns: Trader, die die Max-Drawdown-Regel verstehen, das Tageslimit aber erst bemerken, wenn sie es gerissen haben. Diese Regel beendet mehr Funded Accounts als jede andere.
- Revenge Trading: Nach einem Verlusttag immer größere Positionen eingehen, um es „zurückzuholen“. So verwandeln Trader einen verkraftbaren Verlust in ein gesprengtes Konto.
- Traden ohne Stop-Loss: Positionen ohne definierte Ausstiegspunkte offen lassen, nach dem Motto „das kommt schon zurück“. Oft kommt es nicht zurück – und der Drawdown-Regel ist Ihre These egal.
- Das Gewinnziel erzwingen: Der Versuch, 8 % in 3 Tagen über größere Positionen zu erreichen. Die Mindesthandelstage gibt es genau deshalb: um dieses Muster zu verhindern.
Wenn Sie Drawdown-Management wirklich meistern wollen, behandelt die Pipster-Academy-Lektion zum Drawdown-Management Psychologie und Mechanik im Detail. Für Chartmuster-Erkennung – eine Grundlagenkompetenz für die Evaluationsvorbereitung – ist der Referenz-Guide zu Chartmustern ein Lesezeichen wert.
Ist Prop-Firm-Trading das Richtige für Sie?
Prop Firms bieten den größten Mehrwert für Trader, die bereits konstant profitabel sind, aber an zu wenig Kapital scheitern. Wenn Sie einen erprobten Edge haben und diszipliniert handeln – mit Plan, mit Stop-Losses, mit Respekt vor Risikolimits –, sind Prop Firms ein äußerst kapitaleffizienter Weg, Ihr Einkommen zu skalieren.
Für komplette Anfänger sind sie das falsche Vehikel. Evaluationsgebühren als „Trading-Schule“ zu nutzen ist ein teurer Ansatz. Die Evaluationsumgebung simuliert Funded Trading, vermittelt aber keine Trading-Grundlagen – die müssen vorher sitzen.
Plattformen wie Pipster sind für Trader gebaut, die bereit sind, die Lücke zwischen einer funktionierenden Strategie und dem Kapital für ihre saubere Umsetzung zu schließen. Wenn Sie Ihren Edge noch entwickeln, ist die Pipster Academy der richtige Startpunkt – nicht das Challenge-Dashboard.
Häufig gestellte Fragen
Wie funktioniert eine Prop-Firm-Evaluation?
Eine Prop-Firm-Evaluation hat typischerweise zwei Phasen. In Phase 1 müssen Sie ein Gewinnziel erreichen (meist 8–10 % der Kontogröße), ohne die maximalen Drawdown-Limits zu überschreiten. Phase 2 hat ein niedrigeres Gewinnziel (rund 5 %). Nach Bestehen beider Phasen erhalten Sie einen Funded Account.
Was ist ein Profit Split bei einer Prop Firm?
Der Profit Split ist der Prozentsatz der Trading-Gewinne, den Sie behalten. Die meisten Prop Firms bieten 70–90 % – machen Sie $10.000 Gewinn, behalten Sie $7.000–$9.000. Manche Firmen erhöhen den Split, wenn Sie konstante Profitabilität nachweisen.
Was ist der maximale Drawdown im Prop Trading?
Der maximale Drawdown ist der größte erlaubte Rückgang vom Höchststand Ihres Kontos. Die meisten Firmen setzen ihn bei 8–12 % des Startguthabens an. Fällt Ihr Konto unter diese Schwelle, wird es geschlossen. Zusätzlich gilt typischerweise ein tägliches Drawdown-Limit von 4–5 %.
Wie oft zahlen Prop Firms aus?
Die Auszahlungsfrequenz variiert je nach Firma. Die meisten bieten zweiwöchentliche oder monatliche Auszahlungen. Manche erlauben On-Demand-Abhebungen nach einer anfänglichen Handelsperiode. Auszahlungen werden typischerweise innerhalb von 1–3 Werktagen per Banküberweisung, Krypto oder Zahlungsdienstleister abgewickelt.
Kann man bei einer Prop Firm News-Events handeln?
Das hängt von der Firma ab. Manche Prop Firms beschränken den Handel während wichtiger News-Events (etwa NFP oder FOMC-Entscheidungen), um das Volatilitätsrisiko zu begrenzen. Andere erlauben News Trading, weiten aber gegebenenfalls die Spreads aus. Prüfen Sie vor dem Handel rund um Veröffentlichungen immer die konkreten Regeln Ihrer Firma.
Was passiert, nachdem man eine Prop-Firm-Evaluation bestanden hat?
Nach bestandener Evaluation erhalten Sie einen Funded Account mit dem Kapital der Firma. Sie handeln unter denselben Regeln (Drawdown-Limits, Lotgrößen-Beschränkungen), verdienen jetzt aber echte Profit Splits. Ihre erste Auszahlung ist üblicherweise nach 14–30 Tagen Funded Trading verfügbar.
